Katalog „Das schöne Geschlecht“
Katalog „Das schöne Geschlecht“

Das schöne Geschlecht

 

Eva Nordal zeigt Menschen, Menschen und ihre Eigenheiten. Von je her macht es ihr Spaß, Menschen zu be­obachten, besonders wenn sie im alltäglichen Getriebe auffallen, ja auffallen wollen. Sie betrachtet mit einem wohlwollenden Schmunzeln, wie sie sich geben, wie sie sich kleiden, sich schmücken, kurz: wie sie sich präsen­tieren mit all ihren Marotten. Und mit einem inneren Lächeln bemerkt sie: Es gibt doch nichts, was es nicht gibt.

 

Eva Nordal zeigt Menschen, wie sie eben sind. Sie kommentiert nicht, sie bewertet nicht. Jede moralisierende Kritik liegt ihr fern. Eva Nordal setzt einfach die individuelle Lebensfreude der Menschen in Szene. Buntes, pralles Leben mit seinen schrulligen Äußerlichkeiten ist ihr Motiv. Auf den ersten Blick wirken ihre Arbeiten einseitig verspielt und oberflächlich. Aber sind sie nicht auch Spiegel des Inneren eines Menschen, seiner geheimen Wünsche, Sehnsüchte, Schwächen, Eitelkeiten ...? Dokumentieren sie nicht auch eine Weltsicht, den Geist einer Zeit? Trifft Eva Nordals Betrachtungsweise nicht in Wahrheit einen verborgenen Kern, der in jeden Menschen steckt? 

 

Eva Nordal wurde bekannt mit plastischen Figuren, fast lebensgroßen Büsten, farbenfroh drapiert mit erlesenen Textilien, mit Kopfschmuck aus ausgefallenen Materialien und immer wieder überraschenden Accessoires. Sie findet viele ihrer Modelle in Magazinen, Fotobänden und Katalogen. Auf ihrer Suche durchstöbert sie auch gern Publikationen früherer Jahrzehnte. Am liebsten lässt sie sich durch alte Schwarzweißfotos anregen. Sie lassen ihr die Möglichkeit zur freien Farbgestaltung. Aber auch Gemälde großer Künstler inspirieren sie. Einzelne ihrer dreidimensionalen Figuren scheinen in ihrer vollen farbigen Pracht direkt aus einem Bild von Vermeer van Delft oder Otto Dix entsprungen.

 

In der Folge entstehen kleine Ganzkörperfiguren, nicht größer als Puppen. Sie sind meist nur noch bemalt. Das anfängliche, reiche Spiel mit diversen Textilien und anderen Materialien fehlt. Wohl eine Suche nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten.

 

Und dann die Überraschung: ihre Figuren springen ins Bild, in die zweidimensionale Ebene. Eva Nordal beginnt zu malen. Anfangs entstehen zaghaft Kleinformate, in denen einzelne Figuren ihren eigenen skurril verspielten, fast surrealen Lebensraum bekommen. Mit der Zeit werden ihre Bildformate größer und mit ihnen wachsen auch die Figuren. Sie nehmen jetzt fast die gesamte Bildfläche ein. Der übrige Bildraum verliert an Bedeutung. Der Mensch – Evas Nordals zentrales Thema – ist wieder ganz Mittelpunkt des Bildgeschehens. Doch in ihrer Malerei kommt jetzt eine entscheidende Dimension hinzu: das Zusammenspiel der Menschen. Während die frühen Plastiken einzeln und isoliert vor der nackten Wand hängen, sind es in ihren Gemälden meist mehrere Figuren, die miteinander wetteifern, miteinander tanzen, tuscheln, streiten. Die Malerei gibt Eva Nordal die Möglichkeit, auch die Interaktion der Menschen darzustellen. Diese Erweiterung ihres Themas ist ihr wichtig. Die Freude am Ankleiden der Figuren bleibt jedoch. In ihren jüngsten Bildern sind die Gewänder der Figuren wieder aus echten Textilien. Eva Nordal wagt es, erlesene Stoffe in ihre Malerei zu applizieren. Malerei und Collage auf diese Weise zu kombinieren, ist eine besondere Herausforderung. Eva Nordal gelingt dies überraschend gut. Sie beherrscht ausgefallene Techniken und weiß sie geschickt und gekonnt anzuwenden. Sie ist eine vielseitige Handwerkerin. Einst hat sie als Putzmacherin und später als Restauratorin gearbeitet. Kein Wunder, dass uns Eva Nordal mit solch besonderen Bildern erfreut – außergewöhnlich in der Gestaltung und heiter in der Stimmung!

 

Dieter Pfannenstiel

 

Termine

30.10.15 - 23.01.16
„Herbstsalon“ - Galerie ICON
Gruppenausstellung, Berlin

18.03.16 - 11.06.16
„Frühjahrssalon“ - Galerie ICON
Gruppenausstellung, Berlin
 
24.04.16 - 23.06.16
Galerie KunstNesse
mit Sven Wiebers, Leer

21.10.16 - 23.01.17
„Herbstsalon“ - Galerie ICON
Gruppenausstellung, Berlin